HU-⁠Bericht und Scheckheft

Von Ben GörresStand 6 Minuten Lesezeit

Inhalt

Der HU-⁠Bericht sagt mehr als die Plakette

Die Plakette am hinteren Kennzeichen zeigt nur, bis wann die nächste Hauptuntersuchung fällig ist. Der Bericht dazu zeigt, wie das Auto am Tag der Untersuchung dastand. Was mindestens darin stehen muss, regelt Anlage VIII der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung.

Für dich als Käufer zählen diese Angaben:

  • Die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN. Sie bezeichnet das Auto eindeutig.
  • Der Kilometerstand am Tag der Untersuchung.
  • Monat und Jahr der vorigen Hauptuntersuchung.
  • Die festgestellten Mängel, jeder mit seiner Einstufung.
  • Monat und Jahr, bis zu dem die nächste Untersuchung fällig ist.

Vergleich zuerst die FIN im Bericht mit der am Auto und in der Zulassungsbescheinigung. Ein Bericht, der zu einem anderen Auto gehört, sagt dir über dieses nichts.

Die Fristen stehen fest: Ein neuer Pkw muss nach 36 Monaten zum ersten Mal zur Hauptuntersuchung, danach alle 24 Monate. Ein Auto, das zehn Jahre alt ist, war also viermal dort, nach drei, fünf, sieben und neun Jahren. Frag nach allen Berichten, nicht nur nach dem letzten.

Fünf Einstufungen, und was sie für dich heißen

Jeder Mangel im Bericht trägt eine Einstufung. Sie entscheidet, ob das Auto die Plakette bekam und was der Halter danach tun musste.

Eintrag im BerichtPlaketteWas der Halter tun muss
Keine Mängeljanichts
Geringe Mängelja, möglichunverzüglich beheben lassen, spätestens innerhalb eines Monats
Erhebliche Mängelneinbeheben lassen und binnen eines Monats zur Nachprüfung vorführen
Gefährliche Mängelneinwie bei erheblichen Mängeln, dazu steht im Bericht ein Hinweis auf die Gefahr
Verkehrsunsicherwird entferntnicht mehr fahren, die Zulassungsbehörde wird benachrichtigt
Quelle: Anlage VIII zu § 29 StVZO, Nr. 3.1.4

Am meisten sagen dir die geringen Mängel. Mit ihnen gab es die Plakette trotzdem, und ob sie danach behoben wurden, hat niemand kontrolliert. Frag bei jedem einzelnen: Wurde das gemacht? Wo ist die Rechnung?

Stehen erhebliche Mängel im Bericht, gab es die Plakette erst nach einer Nachprüfung oder einer neuen Untersuchung. Lass dir auch dieses Papier zeigen. Es belegt, dass die Mängel behoben waren.

Hinweise sind keine Mängel, aber gute Fragen

Unter den Mängeln stehen oft Hinweise. Mit ihnen macht der Prüfer auf Mängel aufmerksam, die sich durch Verschleiß, Korrosion oder andere Umstände abzeichnen. Pflichten folgen daraus nicht. Kosten oft schon.

Was du aus einem Hinweis machst:

  • Hinweis auf Verschleiß an Bremsen oder Reifen: Schau selbst nach. Seit dem Bericht sind vielleicht fast zwei Jahre vergangen, und der Verschleiß ist weitergegangen.
  • Hinweis auf Korrosion: Lass dir die Stelle zeigen. Rost an tragenden Teilen wird mit der Zeit nicht kleiner.
  • Hinweis wie „Motor ölfeucht“: Als Mangel eingestuft war das nicht. Schau trotzdem bei kaltem Motor an den Motorblock und unter das Auto. Ist es heute nass statt feucht, ist es mehr geworden.

Steht derselbe Hinweis in zwei Berichten hintereinander, hat sich zwei Jahre lang niemand darum gekümmert. Das ist kein Grund zu gehen, aber ein Punkt für die Verhandlung.

Frische Plakette heißt nicht gesunder Motor

Bei der Hauptuntersuchung wird das Auto auf Verkehrssicherheit, Umweltverträglichkeit und die Einhaltung der Bauvorschriften untersucht. Ob Motor, Getriebe oder Kupplung noch lange halten, ist nicht ihre Frage. Ein Auto mit neuer Plakette kann deshalb teure Schäden haben, die mit der Sicherheit nichts zu tun haben.

Beim Händler hat „HU neu“ im Vertrag trotzdem Gewicht. Der Bundesgerichtshof hat 2015 entschieden, dass das Auto dann bei der Übergabe in einem Zustand sein muss, der die Plakette rechtfertigt. Im Fall waren die Bremsleitungen so stark verrostet, dass der Kauf sofort rückgängig gemacht werden durfte, ohne dass der Händler erst nachbessern konnte.

Die Kilometer über alle Belege vergleichen

So legst du die Laufleistung offen:

  1. Leg alle Papiere mit Datum und Kilometerstand nebeneinander: HU-Berichte, Einträge im Serviceheft, Werkstattrechnungen.
  2. Sortier sie nach Datum. Die Kilometer müssen mit jedem Datum steigen.
  3. Rechne grob aus, wie viel zwischen zwei Einträgen pro Jahr gefahren wurde. Bleibt das über die Jahre ähnlich, passt das Bild.
  4. Vergleich den letzten Eintrag mit dem Tacho heute.

Ein Rückschritt ist ein klarer Befund. Ein Sprung, etwa von 15.000 auf 3.000 Kilometer im Jahr, braucht eine Erklärung. Oft gibt es eine: Rente, Homeoffice, Zweitwagen. Frag danach, bevor du etwas vermutest.

Woran du eine gedrehte Laufleistung ohne Messgerät erkennst: Tacho und Laufleistung

Was „scheckheftgepflegt“ heißt und was nicht

Im Serviceheft, oft Scheckheft genannt, bestätigt die Werkstatt jede Inspektion mit Stempel, Datum und Kilometerstand. Die Abstände gibt der Hersteller vor, meist nach Zeit und nach Kilometern. „Scheckheftgepflegt“ heißt nur, dass Stempel drinstehen. Dass alle nötigen Arbeiten gemacht wurden, heißt es nicht. Darauf weist auch der ADAC hin.

Lückenlos ist der Nachweis, wenn:

  • jede Inspektion, die das Heft vorsieht, einen Eintrag hat, rechtzeitig nach Zeit oder Kilometern,
  • jeder Eintrag Datum, Kilometerstand und die Werkstatt nennt,
  • es zu den großen Arbeiten Rechnungen gibt, auf denen steht, was gemacht wurde.

Rechnungen sagen mehr als Stempel. Ein Stempel zeigt, dass jemand gestempelt hat. Eine Rechnung zeigt, welche Teile ersetzt wurden und zu welchem Kilometerstand.

Sehen die Einträge aus mehreren Jahren alle gleich aus, gleicher Stift, gleiche Schrift, frische Stempelfarbe, wurden sie vielleicht in einem Rutsch nachgetragen. Frag nach den Rechnungen zu diesen Terminen, und frag, ob du die Werkstatt anrufen darfst, deren Stempel drinsteht.

Fehlt der Nachweis über einen fälligen Zahnriemenwechsel, gehört er in den Preis: Ihn nachzuholen kostet 450–1.000 €.

Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen. Belege auf der Seite Kostenfallen.

Wann der Zahnriemen fällig ist und welcher Nachweis zählt: Zahnriemen und Steuerkette

Das digitale Serviceheft und die freie Werkstatt

Viele Hersteller speichern die Wartung inzwischen digital bei sich statt im Heft. Dann gibt es keine Stempel, sondern einen Auszug. Der ADAC rät, sich vor dem Kauf einen vollständigen Auszug zeigen und bei der Übergabe aushändigen zu lassen, und das im Kaufvertrag festzuhalten. Bitte den Verkäufer, den Auszug vorher bei einer Vertragswerkstatt der Marke ausdrucken zu lassen.

Auch freie Werkstätten tragen in das digitale Heft ein, wenn sie nach den Vorgaben des Herstellers warten. Ihr Stempel ist nicht weniger wert. Läuft noch eine Herstellergarantie, darf der Hersteller sie nach Ansicht der EU-Kommission nicht davon abhängig machen, dass nur in seinen Vertragswerkstätten gewartet wurde. Ablehnen darf er, wenn ein Schaden auf eine falsch ausgeführte Arbeit oder minderwertige Teile zurückgeht.

Wenn die Belege fehlen

Kann der Verkäufer weder Serviceheft noch HU-Berichte noch Rechnungen zeigen, kann das Nachlässigkeit sein. Es kann auch heißen, dass etwas verborgen bleiben soll, darauf weist der ADAC hin. Rechne dann so, als wäre nichts gemacht worden, oder lass das Auto vor dem Kauf ansehen.

Wann sich der Blick einer Werkstatt oder Prüfstelle lohnt: Gebrauchtwagencheck

Häufige Fragen

Was bedeuten „geringe Mängel“ im HU-⁠Bericht?

Das Auto hat die Plakette trotzdem bekommen. Der Halter muss die Mängel unverzüglich beheben lassen, spätestens innerhalb eines Monats, kontrolliert wird das aber nicht. Frag deshalb nach der Rechnung.

Ist ein Auto scheckheftgepflegt, wenn eine freie Werkstatt gewartet hat?

Ja, wenn nach den Vorgaben des Herstellers gewartet wurde und Stempel oder Rechnung das zeigen. Es kommt darauf an, dass jede fällige Inspektion belegt ist, nicht darauf, wer sie gemacht hat.

Warum hat ein Auto mit neuem TÜV trotzdem Mängel?

Die Hauptuntersuchung schaut auf Verkehrssicherheit, Umwelt und Bauvorschriften, nicht darauf, wie lange Motor oder Getriebe halten. Verkauft ein Händler mit „HU neu“, muss das Auto bei der Übergabe aber so dastehen, dass die Plakette gerechtfertigt ist.

Quellen

Jede Zahl, jede Frist und jede Rechtsaussage im Text steht hier mit ihrem Beleg. Was über Rechte steht, ist Orientierung, keine Rechtsberatung.

HU-Bericht, Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief Feld für Feld abgleichen, samt der Laufleistung aus allen Belegen.

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