Gebrauchtwagencheck

Von Ben GörresStand 6 Minuten Lesezeit

Inhalt

Was du selbst siehst und wo es aufhört

Mit Augen, Händen und einer Taschenlampe kommst du weit: Lack und Spaltmaße, Reifen, Flüssigkeiten, Kaltstart, Probefahrt. Wie das geht, steht in den Ratgebern zur Besichtigung und zur Probefahrt.

Einiges bleibt dir ohne Werkstatt verborgen:

  • Der Unterboden mit Achsen, Leitungen und Auspuff. Ganz zu sehen ist er erst auf der Hebebühne.
  • Der Fehlerspeicher der Steuergeräte. Dort stehen Fehler, auch wenn gerade keine Warnleuchte brennt.
  • Die Bremswirkung auf dem Prüfstand und der Zustand der Stoßdämpfer.
  • Die Dicke des Lacks. Sie zeigt, wo nachlackiert wurde, und dafür braucht es ein Messgerät.

Was ein Check ist und was nicht

Ein Gebrauchtwagencheck ist eine Sichtprüfung durch Fachleute, ohne dass etwas zerlegt wird. DEKRA beschreibt ihre Bewertung so: Innenraum, Motorraum, Kofferraum und die ganze Karosserie samt Unterseite und Fahrwerk werden angesehen, Schäden und Verschleiß festgehalten, die Ausstattung soweit möglich auf Funktion getestet, dazu kommt eine kurze Fahrprobe. Im ADAC-Prüfzentrum Hamburg gehören Bremsen, Fahrwerk und Lenkung, Bodengruppe, Motor und Antrieb, Karosserie und eine Messung der Lackstärke dazu. Dort dauert das rund eine Stunde.

Daraus folgen die Grenzen. Was innen in Motor oder Getriebe vorgeht, sieht auch ein Fachmann von außen nur an Spuren. Ein Check ist eine Momentaufnahme an einem Tag, keine Vorhersage. Er ersetzt keine Zusage im Kaufvertrag und ist keine Garantie.

Die Hauptuntersuchung ist kein Ersatz dafür. Bei ihr geht es um Verkehrssicherheit, Umweltverträglichkeit und die Bauvorschriften. Wie lange teure Teile noch halten, ist nicht ihre Frage.

Was ein Check kostet

Die Preise hängen von Anbieter, Ort, Umfang und Mitgliedschaft ab. Einige Beispiele mit Stand:

WerWasPreis
ADAC Prüfzentrum DortmundGebrauchtwagencheck nach Fahrzeugklasse, Preise für Mitglieder, Stand März 202689–149 €
ADAC Prüfzentrum HamburgGebrauchtwagenuntersuchung, einfache Stufeab 79 € für Mitglieder, ab 109 € sonst
ADAC Prüfzentrum Hamburgmit Fehlerspeicher und Analyse des Motorölsab 119 € für Mitglieder, ab 169 € sonst
ADAC Prüfzentrum Hamburgfür E-Autos, mit Fehlerspeicher und Batterie-Schnelltestab 149 € für Mitglieder, ab 164 € sonst
TÜV RheinlandProficheck mit 30 Punkten, darunter Lenkung, Bremsen, Airbag, Karosserie, Unterboden29,90 €
DEKRABewertung von Gebrauchtwagenkein Preis auf der Seite, auf Anfrage
Quelle: Preisseiten von ADAC Westfalen, ADAC Hansa, TÜV Rheinland und DEKRA, abgerufen am 28.09.2026

Die Angebote sind nicht gleich umfangreich. Frag beim Termin, was genau dazugehört: Hebebühne, Fehlerspeicher, Probefahrt, ein schriftlicher Bericht zum Mitnehmen.

Wann sich der Check rechnet

Die Rechnung ist schlicht: Ein Check kostet einen zwei- oder niedrigen dreistelligen Betrag. Ein einziger größerer Schaden, den du sonst nicht bemerkt hättest, kostet ein Vielfaches.

Allein eine Steuerkette zu erneuern kostet 700–2.000 €.

Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen. Belege auf der Seite Kostenfallen.

Ein Check lohnt sich besonders, wenn:

  • das Auto mehrere tausend Euro kostet,
  • Belege fehlen oder nicht zusammenpassen, etwa Lücken im Serviceheft oder Kilometer, die springen,
  • du bei der Besichtigung etwas gefunden hast, das du nicht einordnen kannst,
  • es Hinweise auf einen Unfall gibt: ungleiche Spaltmaße, Farbunterschiede, frischer Unterbodenschutz an einer einzelnen Stelle,
  • es ein E-Auto ist und kein aktueller Bericht zum Akku vorliegt.

Wenig bringt er, wenn das Auto so billig ist, dass du Reparaturen ohnehin einplanst, oder wenn du schon weißt, dass du gehst. Wer bei einem durchgerosteten Schweller noch einen Check bezahlt, bezahlt für eine Bestätigung.

Auch der Fehlerspeicher kann sich lohnen: Einen ABS- oder Airbagfehler zu beheben kostet 120–2.100 €.

Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen. Belege auf der Seite Kostenfallen.

Beim Privatkauf ist der Check wichtiger als beim Händler

Beim Händler hast du die gesetzliche Gewährleistung. Zeigt sich im ersten Jahr nach der Übergabe ein Mangel, wird vermutet, dass er schon beim Kauf da war. Bei Gebrauchten darf der Händler die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen, aber nur nach einem eigenen Hinweis und einer gesonderten Vereinbarung.

Beim Kauf von privat wird die Gewährleistung meist ausgeschlossen, und das ist erlaubt. Der Ausschluss greift nur dann nicht, wenn der Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen oder eine Eigenschaft zugesagt hat. Alles andere trägst du. Deshalb ist der Check beim Privatkauf der wichtigere Schutz: Was du vorher findest, fließt in den Preis. Was du nicht findest, zahlst du später meist selbst.

Was Gewährleistung beim Händler und beim Privatkauf genau bedeutet: Privat oder Händler

So fragst du den Verkäufer

Zwingen kannst du keinen Verkäufer. Mach es ihm leicht, Ja zu sagen:

  1. Such ein Prüfzentrum oder eine Werkstatt in seiner Nähe und frag dort vorher nach einem Termin.
  2. Sag dazu, dass du den Check bezahlst.
  3. Fahrt zusammen hin. Dann muss er dir das Auto nicht allein überlassen.
  4. Vereinbart, dass ihr das Ergebnis gemeinsam besprecht, bevor einer von euch etwas zusagt.

Lehnt er trotzdem ab, obwohl du zahlst und er dabei ist, frag nach dem Grund. Vielleicht fehlt ihm die Zeit. Vielleicht weiß er etwas. Du entscheidest dann ohne den Blick von unten, und das sollte sich im Preis zeigen, oder du gehst.

Was du mit dem Ergebnis machst

  • Kleine Punkte mit bekanntem Preis: in die Verhandlung, mit dem Bericht auf dem Tisch.
  • Große oder unklare Punkte: vorher eine Werkstatt nach dem Preis für genau dieses Modell fragen, oder gehen.
  • Alles, was der Verkäufer daraufhin zusagt, etwa eine Reparatur vor der Übergabe: in den Kaufvertrag.

Damit du mit dem Bericht etwas anfangen kannst, sollte er enthalten:

  • FIN, Kilometerstand und Datum, damit er eindeutig zu diesem Auto gehört,
  • jeden Befund einzeln, mit einer Einschätzung, wie dringend er ist,
  • was nicht angesehen werden konnte, etwa weil die Zeit fehlte oder ein Teil verkleidet ist.

Was im Bericht steht, kennst du beim Kauf. Beim Kauf von privat hast du wegen eines Mangels, den du beim Vertragsschluss kennst, später keine Rechte. Beim Händler fallen sie nur weg, wenn ihr die Abweichung im Vertrag eigens und gesondert vereinbart habt. Soll der Verkäufer etwas noch beheben, gehört das schriftlich in den Vertrag.

Nach dem Kauf ist es ein anderer Auftrag

Zeigt sich nach dem Kauf ein Mangel, geht es nicht mehr um die Entscheidung, sondern um Beweise. Dann brauchst du einen Sachverständigen, der Zustand und Ursache festhält, bevor repariert wird. Einigt ihr euch nicht, kann ein Gericht schon vor einer Klage anordnen, dass ein Sachverständiger den Zustand schriftlich beurteilt, im sogenannten selbständigen Beweisverfahren.

Welche Rechte du dann hast und welche Fristen laufen: Mangel nach dem Kauf

Häufige Fragen

Was kostet ein Gebrauchtwagencheck?

Beim TÜV Rheinland kostet der Proficheck 29,90 €. In ADAC-Prüfzentren liegen die Preise je nach Ort, Fahrzeugklasse und Umfang zwischen 79 und 169 €, für Mitglieder günstiger. DEKRA nennt Preise auf Anfrage.

Muss der Verkäufer einen Gebrauchtwagencheck erlauben?

Nein, zwingen kannst du ihn nicht. Biete an, den Check zu bezahlen und gemeinsam hinzufahren. Lehnt er dann ab, ist das ein Grund, genauer hinzusehen.

Was ist der Unterschied zwischen HU und Gebrauchtwagencheck?

Die Hauptuntersuchung ist Pflicht und fragt, ob das Auto verkehrssicher ist und den Vorschriften entspricht. Ein Gebrauchtwagencheck ist freiwillig und soll dir zeigen, in welchem Zustand das Auto ist und was bald ansteht.

Quellen

Jede Zahl, jede Frist und jede Rechtsaussage im Text steht hier mit ihrem Beleg. Was über Rechte steht, ist Orientierung, keine Rechtsberatung.

Was du ohne Werkstatt selbst ansehen kannst, mit dem Preis des Mangels daneben.

Kostenfallen

Passt dazu