Gebrauchtes E-Auto: der Akku
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Der Akku bestimmt den Wert
Beim E-Auto ist der Akku das teuerste Bauteil. Wie gut er noch ist, beschreibt ein Wert: der State of Health, kurz SoH, auf Deutsch etwa Gesundheitszustand. Er gibt an, wie viel Energie der Akku im Vergleich zum Neuzustand noch speichern kann. Ein SoH von 92 Prozent heißt: noch 92 Prozent der ursprünglichen Energie und entsprechend weniger Reichweite.
Jeder Akku altert, mit den Jahren und mit jeder Ladung. Eine besonders schnelle Alterung hat der ADAC in seinen Dauertests aber nicht gefunden. Ein Gebrauchter mit vielen Kilometern ist deshalb kein Ausschlussgrund. Es kommt auf den gemessenen Wert an.
Welcher Wert zur Laufleistung passt
Aus seinen Tests leitet der ADAC Werte ab, die ein Akku mindestens noch haben sollte:
| Laufleistung | SoH mindestens |
|---|---|
| 50.000 km | 92 % |
| 100.000 km | 88 % |
| 150.000 km | 84 % |
| 200.000 km | 80 % |
Das sind Einschätzungen der ADAC-Fachleute, keine Grenzwerte. Liegt ein Akku darunter, ist er nicht kaputt, aber schwächer als üblich, und das gehört in den Preis. Liegt er deutlich darunter, frag nach dem Grund und nach Reparaturen am Akku. Der ADAC rät, Batterieschäden und Reparaturen schriftlich im Kaufvertrag festzuhalten.
Was ein Batteriebericht zeigt und was nicht
Den SoH misst du nicht selbst. Es gibt zwei Wege. Beim Schnelltest liest ein Gerät an der OBD-Buchse, dem Anschluss für die Fahrzeugdaten, das Batteriemanagement aus. Das dauert wenige Minuten. Beim längeren Test bleibt ein Messgerät im Auto, während es von voll auf unter zehn Prozent leer gefahren wird, ohne zwischendurch zu laden. Beim Test, den der ADAC mit einem Partner anbietet, sind dafür bis zu sieben Tage Zeit. Den langen Test kann also nur der Verkäufer vorher machen.
Beide Wege liefern eine Prozentzahl, aber nicht jede Zahl meint dasselbe. Die Anbieter rechnen mit verschiedenen Bezugswerten. Einer nimmt die Energie, die zwischen 100 und 0 Prozent in der Anzeige nutzbar ist, ein anderer die Kapazität laut Werk. Werte verschiedener Anbieter kannst du deshalb nicht einfach vergleichen.
Worauf du bei einem Bericht achtest:
- Die FIN, also die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, auf dem Bericht muss zu dem Auto gehören, das vor dir steht.
- Das Datum. Ein Bericht von vor zwei Jahren sagt über heute wenig.
- Die nutzbare Energie in Kilowattstunden, kWh. Sie sagt dir mehr als die Prozentzahl, weil du daraus die Reichweite abschätzen kannst.
- Wer gemessen hat und wie. Ein Wert, den der Verkäufer im Menü abliest, ist kein unabhängiger Bericht.
Ein älteres E-Auto mit 100 Prozent SoH ist verdächtig. Solche Werte stammen meist aus Auslesungen, die großzügig gerechnet sind. Jeder Akku altert.
Hat der Verkäufer keinen aktuellen Bericht, bitte ihn vor dem Kauf um einen, oder lass selbst messen. Manche Prüfzentren bieten den Schnelltest zusammen mit einem Gebrauchtwagencheck an.
Die Garantie auf den Akku
Die meisten Hersteller geben heute acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie auf den Akku. Bei E-Autos der ersten Generation waren es oft fünf Jahre oder 100.000 Kilometer. Ein Garantiefall liegt meist erst vor, wenn die nutzbare Kapazität unter 70 Prozent fällt.
Für dich heißt das: Ein Akku mit 75 Prozent ist für die Garantie kein Fall. Für dich ist er ein Viertel weniger Reichweite, und das gehört in den Preis.
Was du vor dem Kauf klärst:
- Wie lange sie noch läuft. Die Jahre zählen ab dem Neuwagen, nicht ab deinem Kauf. Das Datum der Erstzulassung in Teil I ist ein guter Anhalt, den genauen Beginn nennt das Garantieheft.
- Ob sie auf dich übergeht. Üblich ist, dass sie am Auto hängt. Einige Hersteller verlangen, dass die Ansprüche an den neuen Besitzer abgetreten werden. Der Mustervertrag des ADAC sieht das vor.
- Ob die Bedingungen eingehalten sind: Wartung nach Vorgabe, erledigte Rückrufe und Software-Updates. Auch eine Tiefentladung, also ein Akku, der lange völlig leer stand, kann die Garantie kosten. Frag, wie lange das Auto gestanden hat.
Im Zweifel fragst du mit der FIN direkt beim Hersteller nach.
Gehört der Akku überhaupt zum Auto?
Bei manchen älteren E-Autos wurde der Akku nicht mitverkauft, sondern gemietet. Das bekannteste Beispiel ist der Renault Zoe: Erst seit November 2020 gibt es ihn neu nur noch mit gekauftem Akku. Wer einen Gebrauchten mit Mietakku kauft, muss den Mietvertrag übernehmen oder den Akku zum Restwert kaufen.
Frag deshalb gleich zu Beginn: Ist der Akku gekauft oder gemietet? Bei Miete lass dir den Vertrag zeigen, bevor ihr über den Preis sprecht. Die Monatsrate gehört in deine Rechnung.
Batteriepass: Für heutige Gebrauchte gibt es keinen
Oft liest man, ab 2027 habe jedes E-Auto einen Batteriepass. Das stimmt so nicht. Die EU-Batterieverordnung verlangt den Pass ab dem 18. Februar 2027 für Akkus, die ab dann in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden. Ein Auto, das du heute gebraucht kaufst, hat keinen.
Eine andere Regel derselben Verordnung gilt schon seit dem 18. August 2024: Das Batteriemanagement von E-Auto-Akkus muss aktuelle Daten zum Alterungszustand enthalten, und wer den Akku rechtmäßig erworben hat, darf sie lesen. Das betrifft Akkus, die seitdem in Verkehr kommen. Bei älteren Gebrauchten kannst du dich nicht darauf verlassen.
Stecker und Kabel
Geladen wird mit Wechselstrom, zu Hause und an normalen Säulen, oder mit Gleichstrom an Schnellladesäulen. Für öffentliche Ladepunkte schreibt die EU mindestens den Stecker Typ 2 für Wechselstrom und CCS für Gleichstrom vor. Hat ein älteres Modell zum Schnellladen einen anderen Stecker, etwa CHAdeMO, sieh vorher nach, wo du damit auf deinen Strecken laden kannst.
Klär, welche Kabel dazugehören: das Kabel für Säule und Wallbox und, wenn vorhanden, das Ladekabel für die Haushaltssteckdose. Der ADAC rät, die Kabel und ihren Zustand im Kaufvertrag festzuhalten.
Die Probefahrt mit dem E-Auto
- Notier vor der Abfahrt Ladestand in Prozent, angezeigte Reichweite und Kilometerstand.
- Fahr wie bei jedem Auto Stadt, Landstraße und ein Stück schneller. Ohne Motorgeräusch hörst du Fahrwerk, Radlager und Bremsen deutlicher als beim Verbrenner.
- Achte auf Warnmeldungen zu Akku oder Antrieb. Schon eine ist ein Grund, vor dem Kauf eine Werkstatt draufschauen zu lassen.
- Vergleich nach der Fahrt den Ladestand. Ist er für die kurze Strecke auffällig stark gefallen, frag nach. Kälte, Heizung und Tempo erhöhen den Verbrauch, deshalb ist das nur ein grober Anhalt.
- Fahr zum Schluss an eine Schnellladesäule und steck ein. Lädt das Auto überhaupt, und welche Ladeleistung zeigt es? Bei hohem Ladestand und Kälte lädt jedes E-Auto langsamer. Liegt der Wert trotzdem weit unter dem, was der Hersteller angibt, frag nach.
Worauf du bei jeder Probefahrt achtest, egal welcher Antrieb: Probefahrt
Häufige Fragen
Welcher SoH ist bei einem gebrauchten E-Auto gut?
Der ADAC nennt als Mindestwerte 92 Prozent bei 50.000 km, 88 Prozent bei 100.000 km, 84 Prozent bei 150.000 km und 80 Prozent bei 200.000 km. Vergleich nur Werte, die nach derselben Methode gemessen wurden.
Gilt die Akku-Garantie auch für den zweiten Besitzer?
Meist ja, weil sie am Auto hängt und nicht am Käufer. Einige Hersteller verlangen, dass die Ansprüche an dich abgetreten werden. Klär das vor dem Kauf mit der FIN beim Hersteller.
Hat ein gebrauchtes E-Auto einen Batteriepass?
Nein. Der Batteriepass ist ab dem 18. Februar 2027 Pflicht, und zwar für Akkus, die ab dann in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden.
Quellen
Jede Zahl, jede Frist und jede Rechtsaussage im Text steht hier mit ihrem Beleg. Was über Rechte steht, ist Orientierung, keine Rechtsberatung.
- SoH-Richtwerte nach Laufleistung, Garantie acht Jahre oder 160.000 km bis 70 %, früher fünf Jahre oder 100.000 km, keine besonders schnelle Alterung in Dauertests, Batterieschäden und Ladekabel in den Vertrag: ADAC, Gebrauchtes Elektroauto kaufen, Stand 08.04.2026adac.de
- Langer Batterietest über die OBD-Buchse, bis zu sieben Tage von voll auf unter zehn Prozent, SoH als entnehmbare Energie gegenüber dem Neuzustand: ADAC, Batteriecheck Elektroauto, Stand 24.06.2026adac.de
- Schnelltest in Minuten, verschiedene Bezugswerte beim SoH, FIN und kWh auf dem Bericht, 100 % SoH bei älteren Autos verdächtig: heise autos, Christoph M. Schwarzer, 18.09.2025heise.de
- Garantie meist fahrzeugbezogen, teils Abtretung nötig, Mustervertrag mit Garantie-Abtretung, Tiefentladung, versäumte Software-Updates: ADAC, Elektroauto-Batterie, Stand 25.10.2022adac.de
- Garantiebedingungen: Wartung nach Vorgabe, Rückrufe, Tiefentladung kann zum Ausschluss führen: ADAC, Pressemitteilung vom 24.06.2021presse.adac.de
- Mietakku: Renault Zoe seit November 2020 nur mit Kaufakku, Mietvertrag übernehmen oder Akku herauskaufen: auto motor und sport, 01.03.2022auto-motor-und-sport.de
- Batteriepass ab 18.02.2027 für dann in Verkehr gebrachte Akkus (Art. 77), Daten zum Alterungszustand im Batteriemanagement ab 18.08.2024 (Art. 14): Verordnung (EU) 2023/1542eur-lex.europa.eu
- Öffentliche Ladepunkte mindestens mit Typ 2 für Wechselstrom und CCS (Combo 2) für Gleichstrom: Verordnung (EU) 2023/1804, Anhang IIeur-lex.europa.eu
Was du zum Akku am Telefon fragst, bevor du hinfährst: Bericht, Garantie, Kabel.
Fragen vor der Anfahrt