Probefahrt
Inhalt
Vor dem Losfahren: Wer haftet, wenn etwas passiert
Bei der Probefahrt fährst du ein fremdes Auto. Wer für einen Schaden aufkommt, hängt davon ab, bei wem du fährst.
- Beim Händler gehen die Gerichte von einem stillschweigenden Haftungsausschluss aus: Beschädigst du das Auto aus leichter Fahrlässigkeit, also durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit, musst du in der Regel nicht zahlen. So hat es der Bundesgerichtshof schon 1972 entschieden. Bei grober Fahrlässigkeit haftest du trotzdem.
- Beim Kauf von privat gilt dieser Schutz nicht ohne Weiteres. Gerichte haben ihn dort abgelehnt. Dann haftest du auch für leichte Fahrlässigkeit.
Klär deshalb vorher, wie das Auto versichert ist. Hat es eine Vollkasko und du verursachst einen Schaden am Auto eines privaten Verkäufers, zahlst du laut ADAC nur die Selbstbeteiligung und den Höherstufungsschaden. Das ist der Betrag, um den seine Versicherung danach teurer wird. Ohne Vollkasko kann der ganze Schaden am Auto an dir hängen bleiben.
Vor dem Start, in wenigen Minuten:
- Frag, ob das Auto zugelassen und versichert ist. Ist es abgemeldet, braucht es beim Kauf von privat ein Kurzzeitkennzeichen und eine Haftpflichtversicherung dafür. Eine Probefahrt geht damit nur, wenn die Hauptuntersuchung gültig ist.
- Frag nach Vollkasko und Höhe der Selbstbeteiligung.
- Geht gemeinsam einmal um das Auto und notiert Kratzer und Dellen, die schon da sind. Dann rechnet sie dir später niemand zu.
- Schreibt auf, wer bei einem Schaden was trägt, mit Datum, Uhrzeit, Kilometerstand und beiden Unterschriften. Der ADAC hat dafür ein Muster für die Probefahrt mit einem gebrauchten Auto.
- Nimm deinen Führerschein mit. Ohne fährst du nicht.
Wie lange die Probefahrt dauern sollte
Eine Runde um den Block sagt nichts. Viele Fehler zeigen sich erst, wenn der Motor warm ist, oder nur bei bestimmten Geschwindigkeiten. Rechne die Zeit deshalb von der Strecke her: Die Fahrt dauert so lange, bis die Temperaturanzeige im normalen Bereich steht und du alle drei Arten Straße gefahren bist, die unten stehen. Dazu kommen die Prüfungen danach, im Stand.
Wie lange du fahren darfst, macht ihr vorher aus, gleich am Telefon, und schreibt es in die Vereinbarung. Leg die Strecke selbst fest, statt dich vom Verkäufer führen zu lassen. Er kennt die Straßen, auf denen sein Auto gut klingt.
Lässt der Verkäufer dich nur eine kurze Runde fahren oder fährt er lieber selbst, ist das ein Befund. Überleg dir den Kauf dann gut.
Fährt der Verkäufer mit, ist das normal. Bitte ihn, in den ersten Minuten nicht zu reden. Radio aus, Fenster halb auf: Jetzt prüfst du mit den Ohren.
Die Strecke: drei Arten Straße
Die Strecke braucht drei Teile:
- Stadt oder Wohngebiet: langsames Fahren, enge Kurven, Anfahren am Berg, Kopfsteinpflaster oder eine schlechte Straße, einmal einparken.
- Landstraße: gleichmäßiges Tempo, Kurven, Beschleunigen aus mittlerem Tempo, eine freie Nebenstrecke für den Bremstest.
- Autobahn oder Schnellstraße: höheres Tempo, Geradeauslauf, Wind- und Abrollgeräusche.
Bremsen
Schau dir die Bremsscheiben an, bevor du losfährst, solange sie kalt sind. Greif durch die Felge und fahr mit dem Finger über den äußeren Rand der Scheibe. Ein deutlicher Grat zeigt, dass die Scheibe heruntergefahren ist. Auf vielen Scheiben ist die Mindestdicke eingeprägt. Dann steht der Sollwert auf dem Bauteil selbst.
Neue Scheiben und Beläge an einer Achse kosten 250–500 €.
Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen. Belege auf der Seite Kostenfallen.
Unterwegs, in dieser Reihenfolge:
- Such dir außerorts eine freie Nebenstrecke, auf der niemand hinter dir fährt. Beschleunige kurz auf etwa 100 km/h und brems dann dosiert immer stärker, so rät es der ADAC. Das Auto muss geradeaus bleiben. Zieht es zur Seite, stimmt etwas an der Bremse oder am Fahrwerk nicht.
- Achte dabei auf das Pedal. Es soll fest sein. Fühlt es sich weich an oder sackt es langsam durch, gehst du. Darüber verhandelst du nicht.
- Rubbelt das Lenkrad beim Bremsen aus höherem Tempo, sind die Scheiben oft verzogen.
- Bei niedrigem Tempo mit offenem Fenster leicht bremsen und auf Schleifen oder Quietschen hören.
Lenkung, Geradeauslauf, Fahrwerk
Diese vier Prüfungen brauchen zusammen nur ein paar Minuten:
- Auf einer geraden, ebenen Straße kurz den Griff am Lenkrad lockern. Zieht das Auto deutlich zur Seite, stimmt die Spur nicht oder etwas anderes am Fahrwerk.
- Im Stand bei laufendem Motor das Lenkrad langsam von Anschlag zu Anschlag drehen, ohne es dort festzuhalten. Es soll leicht und gleichmäßig gehen, ohne Ruckeln, Knacken oder Heulen.
- Langsam über eine Bodenwelle oder Kopfsteinpflaster fahren, Fenster offen. Poltern aus dem Fahrwerk kommt von ausgeschlagenen Teilen.
- In einer engen Kurve mit vollem Lenkeinschlag langsam fahren. Ein rhythmisches Knacken deutet auf die Gelenke der Antriebswelle hin.
Welches Teil defekt ist, sagt dir keiner dieser Punkte. Das musst du auch nicht wissen. Es reicht, dass du merkst, dass etwas nicht stimmt. Dann verhandelst du oder lässt eine Werkstatt draufschauen.
Getriebe und Kupplung
Beim Schaltgetriebe:
- Alle Gänge durchschalten, auch den Rückwärtsgang. Jeder Gang muss sauber einrasten, ohne zu haken und ohne zu kratzen.
- Kupplung im Stand kommen lassen und darauf achten, wo sie greift. Sehr weit oben ist ein Hinweis auf Verschleiß.
- Im höchsten Gang bei niedriger Drehzahl kräftig beschleunigen. Steigt die Drehzahl schneller als das Tempo, rutscht die Kupplung.
Beim Automatikgetriebe:
- Aus dem Stand sanft anfahren. Ein Ruck beim Einlegen der Fahrstufe oder ein spürbarer Schlag beim Schalten gehört nicht dazu.
- Auf gleichmäßiges Hochschalten achten. Ein Getriebe, das lange hängt und dann hart schaltet, hat ein Problem.
- Auch hier bergauf oder unter Last beschleunigen, weil sich Fehler dort zuerst zeigen.
Eine neue Kupplung oder ein Radlager, das brummt, kostet 170–1.500 €.
Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen. Belege auf der Seite Kostenfallen.
Ein Getriebeschaden gehört zu den teuren Reparaturen, und seine Kosten kann vorher niemand sicher nennen. Fällt dir hier etwas auf, das du nicht einordnen kannst, lass das Auto vor dem Kauf in einer Werkstatt ansehen.
Was du nebenbei mitprüfst
- Klimaanlage einschalten und warten, bis wirklich kalte Luft kommt.
- Heizung auf volle Wärme stellen. Bleibt sie kalt, obwohl der Motor warm ist, kann das auf ein Problem im Kühlsystem hindeuten.
- Auf ein gleichmäßiges Fahrgeräusch achten. Ein Brummen, das mit dem Tempo steigt und sich in Kurven ändert, kommt oft von einem Radlager.
- Zwischendurch aufs Armaturenbrett schauen: Temperaturanzeige im normalen Bereich, keine Warnleuchte.
Nach der Fahrt
- Motor abstellen, Haube öffnen und riechen. Süßlich heißt Kühlflüssigkeit, beißend heißt verbranntes Öl.
- Unter das Auto schauen, dort, wo es gerade stand. Frische Tropfen auf dem Boden sind ein klarer Befund.
- Nach ein paar Minuten den Motor noch einmal starten. Läuft er warm deutlich schlechter als kalt, ist das ungewöhnlich.
- Motor wieder abstellen, einige Minuten warten und den Ölstand noch einmal ablesen. Er soll wieder zwischen den Marken stehen.
Was eine Probefahrt nicht zeigt
Damit du die Grenzen kennst: Eine Probefahrt zeigt dir keinen beginnenden Motorschaden, keinen Rost am Unterboden, keine schlecht gemachte Unfallreparatur und keinen verstellten Kilometerstand. Sie zeigt dir Fahrverhalten, Geräusche und offensichtliche Fehler.
Deshalb ersetzt sie keine Untersuchung durch eine Werkstatt oder eine Prüforganisation. Geht es um mehrere tausend Euro, lohnt sich ein Termin vor dem Kauf. Frag den Verkäufer, ob er das Auto dorthin bringt oder dich hinfahren lässt.
Wann sich ein Check durch einen Profi lohnt und was er zeigt: Gebrauchtwagencheck
Häufige Fragen
Wie lange darf eine Probefahrt dauern?
So lange, wie ihr vereinbart. Plan so viel Zeit ein, dass der Motor warm wird und du Stadt, Landstraße und Autobahn fahren kannst, und schreib Dauer und Strecke in die Vereinbarung.
Wer haftet bei einem Unfall auf der Probefahrt?
Beim Händler musst du für leichte Fahrlässigkeit in der Regel nicht zahlen, für grobe schon. Beim Kauf von privat haftest du auch für leichte Fahrlässigkeit. Hat das Auto eine Vollkasko, bleiben laut ADAC die Selbstbeteiligung und der Höherstufungsschaden bei dir.
Darf ich ein abgemeldetes Auto Probe fahren?
Beim Kauf von privat nur mit Kurzzeitkennzeichen und einer Haftpflichtversicherung dafür. Die Hauptuntersuchung muss gültig sein, sonst ist nur die Fahrt zu einer Prüfstelle erlaubt. Das Kennzeichen gilt bis zum Ende des fünften Tages nach der Zuteilung.
Quellen
Jede Zahl, jede Frist und jede Rechtsaussage im Text steht hier mit ihrem Beleg. Was über Rechte steht, ist Orientierung, keine Rechtsberatung.
- Händler: stillschweigender Haftungsausschluss für leichte Fahrlässigkeit bei der Probefahrt: BGH, 07.06.1972, VIII ZR 35/71dejure.org
- Haftungsfreistellung beim Händler, nicht bei grober Fahrlässigkeit: OLG Koblenz, 13.01.2003, 12 U 1360/01dejure.org
- Kein stillschweigender Haftungsausschluss bei der Probefahrt mit einem privaten Anbieter: AG Ahrensburg, 19.12.2013, 46 C 1395/12ra-kotz.de
- Versicherung vor der Probefahrt klären; mit Vollkasko des Privatverkäufers nur Selbstbeteiligung und Höherstufungsschaden: ADAC, Auto gebraucht kaufen, 25.03.2026adac.de
- Vereinbarung über die Probefahrt mit einem gebrauchten Fahrzeug: ADAC, Musterverträge und Formulare, abgerufen 28.09.2026adac.de
- Probefahrt ohne Zulassung nur mit Kurzzeitkennzeichen, gültiger HU und Haftpflicht, bis zum Ende des fünften Tages nach der Zuteilung; ohne gültige HU nur zur Prüfstelle und zurück: § 42 Abs. 1, 4 und 7 FZVgesetze-im-internet.de
- Auf freier Nebenstrecke auf etwa 100 km/h beschleunigen, dann dosiert immer stärker bremsen: ADAC, Pressemitteilung zum Gebrauchtwagenkauf, 22.04.2021presse.adac.de
- Lenkrad nicht am Anschlag halten, Geräusche der Servopumpe: ATP Autoteileatp-autoteile.de
- Ölstand nach dem Abstellen erst nach einigen Minuten ablesen: ADACadac.de
- Reparaturspannen: PreBuyPilot, Kostenfallen, mit allen Belegen. Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen.
Die Punkte der Probefahrt stehen auch in der Prüfliste, zum Mitnehmen aufs Handy.
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