Reifen
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Pflicht und Empfehlung auseinanderhalten
Bei Reifen vermischen viele Ratgeber, was das Gesetz verlangt und was Fachleute empfehlen. Für den Kauf brauchst du beides, aber getrennt. Das Gesetz sagt, ob das Auto so fahren darf. Die Empfehlung sagt, wann du Geld für neue Reifen einplanst.
| Zeile | Gesetz | Empfehlung des ADAC |
|---|---|---|
| Profil, Sommerreifen | mindestens 1,6 mm | mindestens 3 mm |
| Profil, Winter- und Ganzjahresreifen | mindestens 1,6 mm | mindestens 4 mm |
| Alter, Sommerreifen | keine Grenze | nicht älter als acht bis zehn Jahre |
| Alter, Winterreifen | keine Grenze | nicht älter als acht Jahre |
Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht, auch nicht bei der Hauptuntersuchung. Eine Ausnahme gibt es für Anhänger, die mit Tempo 100 fahren dürfen: Deren Reifen müssen jünger als sechs Jahre sein. Bei der Hauptuntersuchung zählen am Pkw das Profil, Schäden an Reifen und Felgen und ob die Größe zu den Papieren passt.
Das Profil: in den Hauptrillen, rundherum
Die 1,6 mm gelten für das Hauptprofil. Das sind die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa drei Viertel ihrer Breite einnimmt, und zwar am ganzen Umfang. Eine einzige Stelle zu messen reicht also nicht.
- Such die Verschleißanzeiger. Das sind kleine Stege im Grund der Hauptrillen. Liegen sie auf einer Höhe mit dem Profil, ist die gesetzliche Grenze erreicht.
- Steck eine 1-Euro-Münze in eine Hauptrille. Der goldene Rand ist knapp über 3 mm breit. Verschwindet er ganz im Profil, hat der Reifen mehr als etwa 3 mm.
- Miss innen, in der Mitte und außen, und an zwei oder drei Stellen am Umfang. Die Vorderräder siehst du leichter bei eingeschlagener Lenkung.
Warum die Empfehlung höher liegt: Mit weniger Profil wird der Bremsweg länger. Der ADAC nennt für Winterreifen auf Schnee ein Beispiel: Schon mit 4 mm Profil ist der Bremsweg aus Tempo 30 um 3,2 Meter länger als mit einem neuen Reifen.
Achte auch darauf, wie der Reifen abgefahren ist. Ist eine Schulter, innen oder außen, deutlich stärker abgenutzt als die andere, kann die Einstellung des Fahrwerks nicht stimmen. Das klärt eine Werkstatt, und bis dahin bleibt es eine offene Frage im Preis.
Das Alter: vier Ziffern auf der Flanke
Auf der Flanke steht die DOT-Nummer. Ihre letzten vier Ziffern stehen meist etwas abgesetzt in einem Oval und sind das Herstellungsdatum: die ersten beiden die Woche, die letzten beiden das Jahr. „3419“ heißt 34. Woche 2019.
Aus den vier Ziffern das Alter in Jahren, mit der Grenze für Sommer- und Winterreifen: Reifenalter
Lies alle vier Reifen, nicht nur einen. Verschiedene Jahre auf einer Achse zeigen, dass einzeln ersetzt wurde. Verboten ist das nicht, aber eine Frage wert.
Steht in der Anzeige „neue Reifen“, lies die Ziffern trotzdem. Ein Neureifen sollte beim Kauf laut ADAC nicht älter als zwei Jahre sein. Der Reifenhandel nennt Reifen bei richtiger Lagerung bis drei Jahre fabrikneu und bis fünf Jahre neu. Ein ungefahrener Reifen kann also schon einige Jahre alt sein, wenn er aufgezogen wird.
Alter sieht man auch. Feine Risse in der Flanke sind Alterserscheinungen. Die Gummimischung härtet mit den Jahren aus, und Grip und Bremsweg bei Nässe werden schlechter, auch wenn das Profil noch tief ist. Viel Profil macht einen alten Reifen deshalb nicht zu einem guten.
Winterreifen: Pflicht nach Wetter, nicht nach Datum
Eine Winterreifenpflicht von Oktober bis Ostern gibt es in Deutschland nicht. Die Regel hängt am Wetter: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Auto nur mit Winterreifen fahren. Als Winterreifen zählen Reifen mit dem Alpine-Symbol, einem Berg mit Schneeflocke. Ganzjahresreifen mit diesem Symbol zählen auch.
Reifen, die nur „M+S“ tragen, reichen seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr. Bis dahin galten M+S-Reifen noch als wintertauglich, wenn sie vor 2018 hergestellt waren. Seit Januar 2018 müssen neu hergestellte Winter- und Ganzjahresreifen das Symbol tragen, um als Winterreifen zu gelten.
Gehört ein zweiter Satz Räder zum Auto, lies auch dort Profil, Alter und Symbol. Ein Satz alter M+S-Reifen ist kein Wert, den du mitbezahlst.
Sind mitten im Sommer Winterreifen montiert und ein zweiter Satz fehlt, frag nach. Die ADAC-Checkliste nimmt dann an, dass das Auto bis vor Kurzem auf schlechten Sommerreifen gefahren ist, und liest darin einen Hinweis darauf, wie es gewartet wurde.
Passen die Reifen zum Auto?
Welche Größen erlaubt sind, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I in den Feldern 15.1 bis 15.3 und 22. Weitere erlaubte Größen stehen manchmal in der Übereinstimmungsbescheinigung des Herstellers, dem CoC-Papier. Vergleich die Angabe auf der Flanke, etwa „205/55 R16 91V“, mit diesen Papieren. Bei der Hauptuntersuchung wird genau das verglichen.
So liest du die Angabe:
- 205 ist die Breite in Millimetern.
- 55 heißt: Der Reifen ist im Querschnitt 55 Prozent so hoch wie breit.
- R steht für Radialreifen, die heute übliche Bauart.
- 16 ist der Durchmesser der Felge in Zoll.
- 91 ist der Lastindex, also wie viel der Reifen tragen darf. V steht für die Höchstgeschwindigkeit, mit der er gefahren werden darf.
Schau außerdem auf Schäden: Beulen oder Schnitte in der Flanke, verformte Felgenränder vom Bordstein. Ein verformter Felgenrand kann heißen, dass auch Radaufhängung oder Lenkung einen Schlag abbekommen haben.
Wann ein neuer Satz in den Preis gehört
Liegt das Profil unter der Empfehlung oder haben die Reifen das empfohlene Höchstalter erreicht, gehört ein neuer Satz in deine Rechnung. Das gilt auch, wenn sie gesetzlich noch reichen.
Vier neue Reifen mit Montage kosten je nach Größe und Marke 260–970 €.
Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen. Belege auf der Seite Kostenfallen.
Nenn am Tisch die untere Zahl. Sie ist schwer zu bestreiten, und du musst dich nicht auf eine Reifenmarke festlegen.
Häufige Fragen
Wie alt dürfen Reifen beim TÜV sein?
Eine Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es bei der Hauptuntersuchung nicht. Dort zählen Profil, Schäden und ob die Größe zu den Papieren passt. Für Anhänger mit Tempo-100-Zulassung gilt eine Ausnahme: Deren Reifen müssen jünger als sechs Jahre sein.
Wie lese ich das Alter eines Reifens ab?
An den letzten vier Ziffern der DOT-Nummer auf der Flanke: erst die Woche, dann das Jahr. „3419“ heißt 34. Woche 2019.
Wie alt dürfen Reifen beim Kauf eines Gebrauchtwagens sein?
Gesetzlich gibt es keine Grenze. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen nach spätestens acht Jahren und Sommerreifen nach acht bis zehn Jahren zu ersetzen. Sind sie so alt, gehört ein neuer Satz in den Preis.
Reichen M+S-Reifen im Winter noch?
Nein. Seit dem 1. Oktober 2024 zählen bei Eis und Schnee nur Reifen mit dem Alpine-Symbol.
Quellen
Jede Zahl, jede Frist und jede Rechtsaussage im Text steht hier mit ihrem Beleg. Was über Rechte steht, ist Orientierung, keine Rechtsberatung.
- Hauptprofil mindestens 1,6 mm am ganzen Umfang, breite Rillen auf etwa drei Vierteln der Laufflächenbreite (Abs. 3); Winterreifen mit Alpine-Symbol (Abs. 4): § 36 StVZO, nachgelesen 28.09.2026gesetze-im-internet.de
- Empfehlung 3 mm Sommer, 4 mm Winter und Ganzjahr; Verschleißanzeiger; goldener Rand der 1-Euro-Münze knapp über 3 mm; 3,2 Meter längerer Bremsweg auf Schnee aus Tempo 30 bei 4 mm: ADAC, „Reifenprofil“, Stand 19.05.2026adac.de
- Keine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen; Winterreifen nicht älter als acht, Sommerreifen nicht älter als acht bis zehn Jahre; Gummi härtet aus, Risse in der Flanke; Neureifen nicht älter als zwei Jahre, laut Reifenhandel bis drei Jahre fabrikneu und bis fünf Jahre neu: ADAC, „Reifenalter“, Stand 13.10.2025adac.de
- Anhänger mit Tempo 100: Reifen jünger als sechs Jahre: § 3 der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO, nachgelesen 28.09.2026gesetze-im-internet.de
- DOT-Nummer, Woche und Jahr im Oval; Größenangabe Breite, Querschnitt, Bauart, Felge in Zoll, Last- und Geschwindigkeitsindex; Alpine-Symbol Pflicht für Winterreifen ab Herstellung 2018; nur M+S reicht seit 01.10.2024 nicht mehr: ADAC, „Reifenkennzeichnung“, Stand 04.04.2025adac.de
- Winterreifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte: § 2 Abs. 3a StVO, nachgelesen 28.09.2026gesetze-im-internet.de
- Situative Pflicht, „von O bis O“ nicht verbindlich, Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erlaubt: ADAC, „Winterreifenpflicht in Deutschland“, Stand 23.09.2025adac.de
- M+S-Reifen von vor 2018 bis Herbst 2024 anerkannt, seit 01.10.2024 nur Alpine-Symbol: ADAC, „Alpine-Symbol Pflicht bei Winterreifen“, Stand 16.09.2025adac.de
- Erlaubte Größen in Teil I, Felder 15.1 bis 15.3 und 22, sowie im CoC-Papier; Reifen und Felgen auf Schäden: DEKRA, HU-Checkliste, ohne Datum, abgerufen 28.09.2026dekra.de
- Ungleich abgefahrene Schultern deuten auf die Fahrwerksgeometrie, verformte Felgenränder auf Folgeschäden an Radaufhängung und Lenkung, Winterreifen im Sommer ohne zweiten Satz als Hinweis auf die Wartung: ADAC, Checkliste Gebrauchtwagenkauf, Stand 01.04.2015adac.de
- Reparaturspannen: PreBuyPilot, Kostenfallen, mit allen Belegen. Freie Werkstatt, Kompaktklasse, Stand September 2026. Spannen, keine Zusagen.
Vier Ziffern eingeben: Du siehst, wie alt die Reifen sind, ob sie die Grenze erreichen und was ein neuer Satz kostet.
Reifenalter